Tanimbar

Eine Reise zu den Orang Utans von Bukit Lawang

Affen in Sumatra
Affen beim Frühstück @ Reinhard Kuchenbaecker
Nach unserer Ankunft am neuen Kuala Namu Flughafen von Medan, werden wir dort bereits wie verabredet von einem Fahrer erwartet, der uns mit einem handgeschriebenen Schild aus dem Strom der Flugpassagiere herauslotst. Nach einem Stück Fahrt durch den chaotischen Straßenverkehr von Medan, wird die Landschaft nach und nach grün. Links und rechts am Straßenrand sind dabei allerdings ausschließlich Ölpalmen zu sehen. Es sind diese Palmölplantagen, welche den Dschungel auf Sumatra immer weiter zurück drängen. Da man das viele Palmöl aus dem Land bringen muss, ist die Straße bis kurz vor Bukit Lawang in einem überraschend guten Zustand. Bereits aus der Ferne können wir die Bergzüge von Sumatra erkennen. Vermutlich ist es diese gebirgige Landschaft, die den Regenwald dort noch rettet. Den die Palmölplantagen hören genau am ersten Höhenzug auf und die Straße wird schlechter. Nach 3,5h erreichen wir das Dorf Bukit Lawang, nur wenige hundert Meter in einem Tal gelegen. Auf der einen Seite des Bohorok Rivers liegen noch Palmölplantagen, auf der anderen Seite beginnt der Dschungel von Sumatra.

Im Ort erwarten uns bereits drei Träger, welche sich um unser Gepäck kümmern wollen. Zunächst sind wir überrascht von dieser Situation und es ist uns nicht ganz klar, wo unser Hotel liegt und wieviel dieser Gepäckservice kosten soll. Als wir dann aber 25 Minuten lang und zirka 150 Höhenmeter, eine extrem steile Treppe zum Hostel "On the Rocks" hinaufgestiegen sind, war uns klar, dass wir die drei 20kg schweren Koffer ohne diese Hilfe niemals dort hinauf gebracht hätten. Das "On the Rocks" liegt ein ganzes Stück abseits vom lauten Bukit Lawang, welches um den ständig rauschenden Bohorok Fluss gebaut wurde. Die wenigen, einfachen Bungalows des "On the Rocks" bestehen vollständig aus Holz, was den Innenräumen einen kernigen Duft verleiht. Es gibt weder Klimaanlage noch Fernseher, wodurch eine angenehme, relaxte entsteht. Von jedem Bungalow aus schaut man direkt in den Urwald hinein, man hört die Insekten zirpen und die Affen rufen. Bereits beim ersten Frühstück bekommen wir Besuch von einer Herde Makaken. Nur wenige Meter von uns entfernt sitzen sie in den Bäumen und frühstücken mit uns ihre Früchte.

Sumatra Dschungel Tour
Dschungel Trekking @ Reinhard Kuchenbaecker
Nach dem Frühstück geht es dann los. Wir brechen auf zu unserer 2-tägigen Trekkingtour durch den Dschungel von Sumatra. Es soll ein einmaliges Naturerlebnis werde. Mein erster Eindruck: die Natur in Sumatra ist sehr laut. Im Dschungel herrscht keine Ruhe. Die Unmengen von Insekten produzieren teilweise einen infernalen Lärm. Dabei ist es nicht so, dass man von Moskitoschwärmen umgeben wäre. Es gibt zwar den einen oder anderen Moskito, aber insgesamt ist diese Plage geringer als ich erwartet hatte. Die Pflanzen im Regenwald bieten eine unglaubliche Vielfalt. Man sieht immer neue Blatter und Grüntöne um sich herum. Dazu bizarre Wurzelgebilde. Und immer wieder kommen wir an Urwaldriesen vorbei. Gigantische Bäume mit riesigen Stämmen und Krone, die alles andere in der Umgebung deutlich überragen. Überall hängt ein Geflecht von Lianen, welche manchmal Fingerdick sind, manchmal aber auch den Umfang einen Baumstammes erreichen.

Orang Utans in Sumatra
Orang Utan Mama mit Sohn @ Reinhard Kuchenbaecker
Zuerst sehen wir ein Herde Affen, nur wenige Meter von uns entfernt, in den Bäumen herumtoben. Mit artistischen Sprüngen und großer Leichtigkeit turnen und hüpfen sie von Ast zu Ast, raufen und toben miteinander, und lassen sich dabei von uns Menschen nicht stören. Etwas überrascht war ich dann allerdings schon, als wir uns kurz darauf tatsächlich einem Orang Utan begegnen. Der hält sich zwar etwas weiter oben in den Bäumen auf, ist aber keineswegs auf der Flucht, sondern schwankt an seinem Baumstamm gemütlich über dem Waldpfad hin und her. Unten am Boden stehen ca. 20 Touristen, von denen jeder versucht das beste Foto zu bekommen. Die Lichtverhältnisse im Regenwald sind zum Fotografieren außerordentlich schwierig und der Orang Utan ist ständig in Bewegung. Mal hinter Blättern, mal hinter Baumstämmen. Schwierig zu fokussieren. Wir begegnen am ersten Tag dreimal Orang Utans. Einmal sitzt das Tier 2 Meter neben meinem Weg. Die Führer weißen uns an, zügig an dem Tier vorbeizugehen und keine Fotos zu machen. Wir erfahren, dass hier nicht alle Orang Utans immer gemütlich sind. Die Vielzahl an Begegnungen mit den Tieren legt die Vermutung nahe, dass die Führer die Tiere anfüttern, damit diese sich auch in der Nähe der Touristenpfade aufhalten. Das ist zwar eigentlich verboten, sichert aber das Einkommen der einheimischen Führer. Mein 5-jähriger Sohn findet die Orang Utans übrigens ziemlich langweilig. Aber auf dem Waldboden laufen riesige, 3-4cm große Ameisen herum. Die sind toll. Und jedes Mal wenn das Kind eine Ameise sichtet, bleibt es abrupt stehen, was seinen Papa, der hinter ihm geht, irgendwann ziemlich nervt.

Die Dschungelwanderung dauert am ersten Tag, inklusive Pausen, zirka 7 Stunden. Die Tour ist extrem anstrengend. Es geht ständig auf und ab, man klettert über Wurzeln hinauf und auf der anderen Seite gleich wieder hinunter. Dazu kommen die Hitze und die Luftfeuchtigkeit. Mein T-Shirt aus Baumwolle ist schnell durchgeschwitzt. Man trägt lange Hosen wegen der Insekten, was auch nicht zur Abkühlung beiträgt. Ich wundere mich über meinen Sohn, der die komplette Tour mit Bravur durchzieht. Die Kletterei an den Baumwurzeln rauf und runter macht ihm einen riesen Spaß. Unterwegs machen wir zweimal eine längere Pause. Unsere Führer haben viel Obst dabei. Ananas, Wassermelonen, und frische Maracuja. Es gibt auch Nasi Goreng mit Chips und Omelett.

Sumatra Fluss
Bahorok Fluss @ Reinhard Kuchenbaecker
Am Nachmittag erreichen wir unser Nachtlager am Bahorok River. Der Fluss schneidet tief in ein Tal ein, welches links und rechts vom Regenwald überwuchert ist. Es bietet sich eine herrliche Urwald-Szenerie. Wie aus einem Tarzan-Film. Der Wasser des Bahorok River ist glassklar und zirka 28 C warm. Nach der schweißtreibenden Tour springen wir ins Wasser und planschen den ganzen Nachmittag bis es dunkel wird. Nicht nur mein Sohn hat viel Spaß. Auch sein Papa lässt sich immer wieder von der Strömung treiben. Mein Sohn sagt mir, dass dies der schönste Tag seines Lebens war.

Der unangenehme Teil unserer Sumatra-Tour ist allerdings die Nacht, die dann kommt. Die Behausung aus schwarzen Plastikplanen passt so gar nicht in die Landschaft. Die hässlichen Hütten tun aber ihren Dienst, als in der Nacht ein heftiger, tropischer Regenschauer niedergeht. Die Isomatten darin sind extrem dünn, so dass man meint, auf dem blanken Boden zu schlafen. Kein Kopfkissen, keine Decke, es ist kalt, meine Knochen tun weh und ich bin heilfroh, als es draußen endlich wieder hell wird. Wir sind alle wie gerädert und uns einig, dass wir zum Glück nur 1 Nacht im Dschungel sind und keine längere Tour gebucht haben. Na ja, und dann ist da noch die Toilette.

Sumatra Toilette
eine Dschungel Toilette @ Reinhard Kuchenbaecker
Am nächsten Morgen erwartet uns wieder eine Affenhorde am Fluss, die es offensichtlich auf Essenreste abgesehen hat, die die Führer am Ufer des Bahorok River ausgelegt haben. Bald darauf verschwinden die Affen und eine Orang Utan Mama mit Kind tauch auf. Diese wollen die Führer zwar vom Lager und den Essensresten fern halten, aber die Orang Utan Dame lässt sich überhaupt nicht beeindrucken. Als alle Touristen ihre Fotos aus wenigen Metern Entfernung gemacht haben, gehen wir wieder ins Lager, um zu Frühstücken. Nach einiger Zeit vermisse ich meinen Sohn. Am Flussufer sehe ich das Tier immer noch sitzen, nur 5 Meter davon entfernt mein Kind. Kein Führer oder sonst ein Erwachsener weit und breit zu sehen. Er beobachtet interessiert den Orang Utan. Schnell laufe ich wieder hinunter zum Fluss und hole meine Sohn zurück.
Nach dem Frühstück gehen wir zunächst ein Stück flussaufwärts um an einem kleinen Zufluss einen Wasserfall mit Swimmingpool zu besuchen. Wir planschen in dem Naturpool und duschen unterm Wasserfall. Auf dem Weg dorthin sehen wir einige wunderschöne, bunte und riesen große Schmetterlinge. Kurz darauf geht es dann per Tube-Rafting, in großen, aufgeblasenen Reifen, über den Fluss zurück nach Bukit Lawang. Mal treiben wir gemütlich über den Fluss. Dann geht es wieder rasant durch die nächste Stromschnelle. Die Rafting-Tour ist ein riesen Spaß, so dass jetzt dieser Tag der schönste im Leben meines Sohnes ist. Heute ist indonesischer Nationalfeiertag und im Ort selbst ist der Fluss voll von Menschen, die baden und im Wasser Spaß haben. Vorsichtig manövrieren wir durch die Menschenmassen bis wir wieder kurz unterhalb der Treppe hinauf zum "On the Rocks" Hostel angekommen sind.



Bahasa Indonesia English Deutsch

Sprache