Minangkabau

Minangkabau - Kultur und Tradition

Mingangkabau
Minangkabau house © Irina Ivanova
An den Küsten der Provinzen Sumatra Utara und Sumatra Barat, im ländlichen Riau und im nördlichen Bengkulu, herrschen die Minangkabau vor, welche Anfang der 1990er Jahre 3,5 Millionen Menschen zählten. Wie die Batak, leben sie in großen Gruppen der gleichen Abstammung, aber anders als die Batak leben die Minangkabau traditionellen in einem Matriarchat. In diesem System gelten Kinder als Nachkommen der Mutter, und nicht des Vaters. So hat ein Junge primär die Verantwortung für die Familie seiner Mutter und seiner Schwestern. Im täglichen Leben besucht ein junger Mann seine Frau am Abend, verbringt aber den Tag mit seinen Schwestern und deren Kindern. Verheiratete Mädchen bleiben im Haus der Eltern. Gemäß dem Anthropologen Joel S. Kahn, suchen bei den Minangkabau unverheiratete männliche Nachkommen und deren Schwestern generell die Nähe zueinander und leben oft im gleichen Haus. Der Landbesitz ist eine der wichtigsten Funktionen der weiblichen Linie und wird Suku genannt.

Da die Männer der Minangkabau, genau wie die Acehnesen, oft ihre Heimat verlassen und in der Ferne nach Erfahrungen, Karriere und Reichtum suchen, ist die weibliche Verwandtschaft für die Kontinuität in der Familie und die Bewirtschaftung des Landes verantwortlich.
Ein Suku ist eine Gruppe von Verwandten, welche von einer Penghulu angeführt wird. Da die Bedeutung der Suku im Verhältnis zum Kommerz der männlich dominierten Außenwelt schwindet, wird die Position der Penghulu nach deren Tod nicht immer nachbesetzt. Hauptsächlich dann, wenn die Verwandtschaft nicht gewillt ist die hohen Kosten der Zeremonie zu tragen, welche für die Ernennung einer neuen Penghulu notwendig ist.

Die Traditionen der islamischen Sharia und der traditionell frauenorientieren Adat werden oft als entgegen gesetzte Kräfte in der Gesellschaft der Minangkabau gesehen. Die Dominanz der Männer in der Sharia bietet jungen Männern etwas wie einen Ausgleich gegen die Dominanz der Adat-Gesetze in den Dörfern, welche Männer dazu zwingt passiv auf den Heiratsantrag einer jungen Frau zu warten.

Indem ein junger Mann in der Ferne zieht und dort zu Besitz und Ausbildung kommt, kann er sein eigenes Schicksal positiv beeinflussen. Wenn verheiratete Paare fortziehen und sich außerhalb der Minangkabau Region niederlassen, ändert sich die Rolle der Frau. Sie verliert einiges an Bedeutung im sozialen Zusammenleben und auch das Vorrecht auf Besitz. Ihre Position ist weniger günstig und die Scheidungsraten steigen.

Die Minangkabau waren bekannt als intellektuelle Persönlichkeiten in der Unabhängigkeits- bewegung Indonesiens. Sie sind nicht nur stark islamisch geprägt, ihre Sprache ist auch eng verwandt mit Bahasa Indonesia und ist relativ frei von hierarchischen Assoziationen, wie es beim Javanischen der Fall ist. Da die Minangkabau oft in der Ferne ihr Glück suchen, habe sie auch so etwas wie eine kosmopolitische Bourgeoisie entwickelt, welche geeignet war die Idee eines entstehenden nationalen Staates zu unterstützen.




Written by The Library of Congress - Country Studies
Data as of November 1992
Übersetzt von Reinhard Kuchenbäcker

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