Tanimbar

Tanimbar - Kultur und Tradition

Tanimbar
Young Tanimbar dancers © Franc Le Blanc
Im südlichen Teil der Provinz Maluku leben die über 60.000 Bewohner des Tanimbar Archipels. Sie wohnen in Orten mit 150 bis 2.500 Einwohnern, aber meisten sind es nicht mehr 1.000. Fast alle sprechen eine der 4 miteinander verwandten Sprachen, können sich gegenseitig aber nicht verstehen. Aufgrund von großer Trockenheit, bieten die Wälder nicht den gleichen Reichtum wie in nördlicheren Gebieten von Maluku, und die Effekte einer Überwirtschaftung von Anbauflächen für Reis, Maniok und anderem Wurzelgemüse sind erkennbar. Viele Tanimbar beschäftigen sich auch mit dem Riff- und Tiefseefischen oder jagen Wildschweine.

Anders als die Weyewa, Toraja, oder Dayak, sehen die Tanimbar keinen Widerspruch zwischen ihrer ursprünglichen Kultur und der offiziell anerkannten christlichen Kultur. Im Gefolge einer holländischen Militärexpedition im Jahr 1920 kamen katholische und protestantische Missionare und bekehrten alle Bewohner des Archipels zum Christentum.

Die Gesellschaft der Tanimbar ist auf ihre Dörfer und ihre Häuser ausgerichtet. Die Dorfgemeinschaft wird durch ein steinernes Boot repräsentiert. Bei Zeremonien, wie etwa Stammestänzen, werden die Stellung und der Status innerhalb der Dorfgemeinschaft anhand einer Sitzordnung in diesem symbolischen Boot dargestellt.

Rivalitäten zwischen Dörfern oder einzelnen Häusern werden nicht mehr durch Kriege und Kopfjägerei ausgetragen, sondern sind jetzt gegenwärtig durch komplexe Rituale, den Austausch von Wertgegenständen, Heiratsallianzen und durch den Konkurrenz zwischen katholischen und protestantischen Kirchen.

Die Tanimbar gliedern sich nach Rahan (Häusern), welche wichtige gesellschaftliche Einheiten bilden und verantwortlich zeichnen für Opfergaben an die Vorfahren, deren Schädel traditionellerweise im Haus aufgewahrt werden. Rahan sind auch verantwortlich für den Erhalt und die Aufteilung von Erbschaften, welche aus Wertgegenständen und Waldgrundstücken bestehen. Da die Tanimbar nach einem partiarchischen System leben, fragen Verwandte bei der Geburt eines Kindes: Fremde oder Hausherr? Da ein männliche Nachkommen dazu bestimmt ist im Haus des Vaters zu bleiben, ist er ein Hausherr. Wenn ein Mädchen geboren wird, wird dieses in ein anderes Haus ziehen und ist daher eine Fremde. Die Frage in welches Haus das Mädchen ziehen wird und welche Verpflichtungen und Rechte damit einhergehen, ist eine der wichtigsten Fragen in der Gesellschaft der Tanimbar. Von den jungen Frauen wird erwartet, bestimmten vorgegebene Bahnen für eine Heirat zu folgen, insbesondere dann, wenn Allianzen zwischen Clans bereits seit mehr als drei Generationen bestehen. Erst wenn ihre Familie bestimmte Wertgegenstände erhält, gilt eine junge Frau als von der Familie ihres Ehemannes vollständig aufgenommen. Andernfalls gelten ihre Kinder als Nachkommen ihrer Brüder.


Die Tanimbar betreiben traditionell Tauschgeschäfte auf lokaler Basis, sie treiben aber auch bereits seit Jahrhunderten Handel mit dem Rest Indonesiens, in dem sie getrocknete Kokosnüsse, Schildkröten, Muscheln und Haifischflossen verkaufen und Gold, Elfenbein, Textilien und andere Wertgegenstände erwerben. Im 20. Jahrhundert begannen die Tanimbar ihre lokalen Produkte gegen profanere Gegenstände einzutauschen, wie Tabak, Kaffee, Zucker, Metallkochtöpfe, Nähnadeln, Bekleidung und andere Gebrauchsgegenstände. In den 1970re und 1980er Jahren dominierten Chinesen den kompletten Handel und gewannen so großen Einfluss auf die Wirtschaftsverhältnisse in den lokalen Dörfern.




Written by The Library of Congress - Country Studies

Data as of November 1992

Übersetzt von Reinhard Kuchenbäcker

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