Sundanesen

Sundanesen - Kultur und Tradition

Sundanesen
Wayang Golek Puppets © Andy Green - AGMIT
Auch wenn es viele soziale, ökonomische und politische Gemeinsamkeiten zwischen den Javanern und den Sundanesen gibt, so sind doch auch Unterschiede vorhanden. Die Sundanesen leben hauptsächlich in West Java, aber ihre Sprache wird von Javanern nicht verstanden. Was Eintragungen im Religionsregister und religiöse Vereinigungen anbetrifft, haben die über 21 Millionen Sundanesen eine stärkere Bindung zum Islam. Die sundanesische Sprache hat wie das Javanische verschiedene Abstufungen der Häflichkeit. Diese Respektsebenen sind von islamischen Werten durchsetzt, wie etwa dem traditionellen Ausdruck Hormat (Respekt, Anerkennen und Erfüllen der eigenen gesellschaftlichen Rolle).


Kinder lernen, dass das Verhalten mit korrektem Hormat auch einen religiösen Gesichtspunkt hat, dem Triumph von Akal (Verstand) über Nafsu (Verlangen). Dieses Dilemma wird in der Pesantren gelehrt, in der Kinder den Koran in arabischer Sprache üben. Durch ausgiebiges Auswendiglernen und üben der richtigen Aussprache, erlernen die Kinder, dass ein angemessenes Verhalten bedeutet sich verbal anzupassen und dass subjektive Interpretationen ein Zeichen von überbordendem Individualismus sind.
Obwohl die Sundanesen bei ihren religiösen Praktiken einiges vom hinduistischen und buddhistischen Glauben ihrer javanischen Nachbarn übernehmen, wie etwa den animistischen Glauben an Geister und die Bedeutung von guten Gedanken und Selbstkontrolle, so unterscheiden sich die sundanesischen Traditionen doch von den Javanischen.


Die sundanesische Sprache verfügt über kunstvolle und feine Literatur, welche in indischen Schriften und Puppenspielen festgehalten ist. Die Puppenspiele sind dramatische Aufführungen mit ursprünglichen, hölzernen Puppen (Wayang Golek, im Gegensatz zu Wayang Kulit bei den Javanern und Balinesen). Aber die sundanesischen Aufführungen beziehen sich stärker auf universalistische Grundsätze des Islam, als dies in den elitären Klassen der Javaner der Fall ist. Die Anthropologin Jessica Glicken beobachtete, dass der Islam in der sundanesischen Gesellschaft optisch und akustisch präsent ist. Sie berichtete, dass der Tag von den fünf täglichen Gebetsrufen unterbrochen wird, welche über Lautsprecher von jeder der vielen Moscheen in der Stadt [Bandung] übertragen werden. Am Freitagmittag sind die Straßen mit Sarong-gekleideten Männern und Jungen gefällt, welche auf dem Weg zur Moschee sind um am Mittagsgebet teilzunehmen, welches Juma´atan genannt wird. Sie betont auch den militanten Stolz, mit dem der Islam in sundanesischen Gegenden vertreten wird. "Als ich 1981 durch dir Provinz reiste, zeigten die Leute mit Stolz auf die Regionen, in denen die militärischen Aktivitäten während der Darul Islam Periode besonders stark waren."


Es ist nicht überraschend, dass die Sunda Region ein wichtiges Gebiet für die muslimischen Separatisten währen der Darul Islam Rebellion war, welche 1948 begann und bis 1962 andauerte. Die eigentlichen Gründe für diese Rebellion waren kontrovers. Politikwissenschaftler, die versuchten herauszufinden warum bestimmte Männer an der Rebellion teilnahmen, andere aber nicht, argumentieren, dass weniger die religiäse Verpflichtung, sondern vielmehr die individuelle Lebensgeschichte ausschlaggebend waren. Die Männer nahmen an der Rebellion teil, wenn sie eine persönliche Verbundenheit zu einem religiösen oder gesellschaftlichen Führer hatten, der sie dazu überredete teilzunehmen.


Obwohl Sundanesen und Javaner die gleichen familiären Strukturen, ökonomische Gepflogenheiten und das gleiche politische System haben, gibt es eine gegenseitige Rivalität. Als die interregionale Migration in den 1980er und 90er Jahren verstärkt wurde, verstärkten sich die Vorurteile gegenüber der anderen Adat sogar dann noch, als das tatsächliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben stark miteinander verflochten war.




Written by The Library of Congress - Country Studies

Data as of November 1992

Übersetzt von Reinhard Kuchenbäcker

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