Javaner

Javaner - Kultur und Tradition

Javanesen
Javanese street salesman © Øystein Lund Andersen
In den frühen 1990er Jahren gab es zirka 70 Millionen Javaner, wovon die meisten in Ost- und Zentraljava lebten und der Rest sich auf Sumatra, Kalimantan, Sulawesi und andere Inseln verteilte. Insgesamt leben 100 Millionen Menschen auf Java. Auch wenn viele Javaner Stolz sind auf die großen Errungenschaften berühmter Orte wie Surakarta und Yogyakarta und deren traditionelle Künste bewundern, tendieren die meisten Javaner nicht dazu sich mit elitären Traditionen, oder der Abstammung von einem bestimmten Clan, zu identifizieren. Sie sind vielmehr auf ihre dörfliche Herkunft hin ausgerichtet. Die Dörfer, oder Kampung, befinden sich meistens am Rand eines Reisfeldes, umgeben eine Moschee, oder ziehen sich entlang einer Strasse.


Die meisten javanischen Dörfer unterteilen sich in kleinere Untereinheiten, welche als Rukun Kampung (Vereinigung zur gegenseitigen Unterstützung) oder Rukun Tetangga (Nachbarschaftsverein) bekannt sind. Rukun ist ein wichtiges javanisches Wort, welches zweierlei beschreibt, den Zustand des Seins und die Art der Aktivität, ein Zustand in dem alle Beteiligten zumindest offiziell friedlich Zusammenleben, und außerdem einen Prozess des gemeinsamen Nutzes durch gemeinsames Handeln. Der Anthropologe Patrick Guinness schrieb 1989, dass die Nachbarschaft die größte soziale Gruppe ist, deren Mitglieder sich zu Zeremonien und organisierten Arbeiten treffen, deren Jugend sich zu Sportteams und anderen Organisationen zusammenschließt, die sich gegenseitig mit Krediten aushelfen und die bestimmte Besitztümer gemeinsam halten, wie z.B. bestimmte Gerätschaften welche für Beerdigungen benötigt werden. In ländlichen Gegenden arbeiten diese Gruppen manchmal auch bei der Reisernte zusammen. Die Rukun Verbände wurzeln in der Vorstellung einer idealen Familie. Viele der lokalen Gemeinden organisieren so ihre Sicherheitsmaßnahmen, welche Ronda Malam (Nachtwache) genannt werden und die spezielle Bedenken der Gemeinde berücksichtigen. Nachbarn achten genau auf jede verdächtige Aktivität, werden bei der Festnahme von Dieben selbst aktiv und üben manchmal sofort ihre eigene Justiz aus. Die Vorgesetzten dieser Organisationen werden als offiziell gewählt oder als von der Regierung ernannt angesehen. Die Unterschiede zwischen den sozialen Klassen sind in den ländlichen Bereichen nicht so ausgeprägt wie in den Städten. Teilweise auch weil die Menschen sich dort sehr ähnlich sind und vom Reisanbau leben. In Dörfern mit gleichmäßig verteiltem Landbesitz ist Nachbarschaftshilfe selbstverständlich. In Dörfern mit einer größeren Anzahl von landlosen Kleinbauern, gibt es ein klares patronatsartiges Verhältnis zu Landbesitzern, die selbst selten mehr als zwei Hektar ihr Eigen nennen. In den Ballungszentren sind die Unterschied zwischen der gebildeten, traditionellen Elite, einer Mittelschicht mit ähnlichem Konsumverhalten und der mehrheitlich armen Bevölkerung deutlich größer.


Sowohl in Dörfern als auch in städtischen Nachbarschaften sind die Führer normalerweise männlich. Obwohl Führer meistens von der Politik, dem Militär oder anderen wichtigen Gruppen beauftragt werden, sind sie theoretisch von der Bevölkerung gewählt. Die Wahl erfolgt im Idealfall nach einer Debatte über verschiedene Standpunkten, nach der die Rangältesten eine abschließende Entscheidung treffen.


Innerhalb der javanischen Familien sind Verwandtschaftsverhältnisse der mütterlichen und der väterlichen Linie traditionell gleichgestellt. Nach einer Heirat ist die neu entstandene Familie mehr oder weniger selbstständig. Formelle Verpflichtungen innerhalb der Verwandtschaft sind nicht viel größer als dies im Westen der Fall ist, aber eine hohe Scheidungsrate (über 50% in manchen Gegenden) macht eine Verschiebung der Verantwortung für Kinder hin zur mütterlichen Seite sehr wahrscheinlich. Es gibt keine Clans oder andere verwandtschaftsbasierte Gruppen, die auf anderen Inseln die Basis für familiäre Einheiten bis hin zu Familienunternehmen bilden. Söhne treten gegenüber ihren Vätern mit einem hohen Maß an Formalität und Ehrerbietung auf. Obwohl die Mütter in vielerlei Hinsicht der Mittelpunkt der Familie sind, so sind sie für die Finanzen verantwortlich, sind oftmals sie es, welche bei Schwierigkeiten am meisten leiden. Normalerweise sind sie für die Kindererziehung zuständig, während die Väter meistens außerhalb des Hauses beschäftigt sind.


Vom javanischen Standpunkt aus, wird die Kindheit als eine Aneinanderreihung von Schrecken gesehen. Auch wenn die jüngsten Kinder sehr stark umsorgt werden, können wichtige Veränderungen abrupt und radikal sein. Bei der Entwöhnung von der Muttermilch, zum Beispiel, verlässt die Mutter das Kind für einige Tage und bleibt bei Verwandten. Man glaubt, dass die allgemeine Zufriedenheit eines Babys, sowie seine Resistenz gegen Krankheiten und Unglück, davon abhängen inwieweit man die Gefühle des Kindes schätzt. Babys werden konstant gehalten und getragen und bei Verlangen gestillt. Babys dürfen nicht unzufrieden sein. Und während der Entwöhnungsphase werden sie in die Obhut einer älteren Verwandten gegeben, die das Kind umsorgt und beschützt.

Wenn die Kinder älter werden, sind sie mehr und mehr in der Lage diese abrupten Veränderungen und den Stress des Lebens zu ertragen, teilweise auch weil sie die jeweiligen Beweggründe besser verstehen. Anstandsregeln helfen einem Kinde sich selbst zu kontrollieren. So müssen Kinder zum Beispiel lernen ihren Vater respektvoll und traditionell anzusprechen. Ein Verstoß gegen diese Regelungen wärden scharfe Maßregelungen nach sich ziehen. Gemäß dem Anthropologen Ward Keeler, erflogt das Erlernen des richtigen Maßes an Anstand, indem sie sich ihrer eigenen Verletzlichkeit bewusst werden. Kinder lernen. dass ein Zusammentreffen mit anderen immer eine Gefahr für die eigenen Gefühle darstellt.

Java Reisfeld
Cycler in the sugar cane © Reinhard Kuchenbaecker

Viele der Regeln und Etikette konzentrieren sich auf den richtigen Umgang mit der Sprache, was im Javanischen schwieriger ist als bei den meisten anderen Sprachen. Beim Ansprechen einer Person müssen Javaner zwischen mehreren unterschiedlichen Stufen der Höflichkeit unterscheiden. Auf jeder dieser Stufen gibt es Wörter, die zwar die gleiche Bedeutung haben, aber unterschiedlich aufgebaut sind. Zu den verschiedenen Variationen des javanischen Wortes für jetzt gehören zum Beispiel, saiki als relativ unhöfliche Variante, während saniki schon ein wenig gebildeter klingt und samenika die sehr elegante Version darstellt. Das Javanische verfügt über so viele Triaden, dass viele Leute kein Javanisch sprechen, bis sie entschieden haben, ob sie sich in einer formellen oder einer informellen Situation befinden.

Gewöhnlich benutzt man die höchste Sprachebene um mit Personen von hohem Ansehen zu sprechen und die des niedrigsten Niveaus um mit einfachen Leuten oder mit persönlich eng vertrauten Personen zu sprechen. Auch wenn Kinder zunächst die Sprache des niedrigsten Levels erlernen, gewöhnen sie sich schrittweise daran, gegenüber weiter entfernten Verwandten und gegenüber Fremden die höheren Sprachformen des Javanischen zu benutzen. Diese Formalitäten sind insbesondere in Städten gebräuchlich, wo es deutlichere Unterschiede zwischen sozialen Schichten gibt. Kinder, die auf die Universität gegen oder im Ausland leben, weigern sich manchmal Briefe nach Hause an die Eltern in Javanisch zu schreiben, weil sie Angst haben einen Fehler zu machen. Oft benutzen sie Bahasa Indonesia, da sie die soziale Situation zuhause nicht mehr kennen. Obwohl Bahasa Indonesia eigentlich eine neutrale Zweitsprache für alle Indonesier ist, wird sie unter Javanern als Fremdsprache angesehen.

Auch wenn man annehmen könnte, dass Frauen die höchsten Stufen der Sprache öfter nutzen als Männer, so ist dies nur im häuslichen Gebrauch der Fall, und zwar hauptsächlich im demütigen Umgang mit Verwandten. Männer benutzen in der Öffentlichkeit häflichere Umgangsformen als Frauen. Darüber hinaus werden die Häflichkeitsebenen der Sprache in der Öffentlichkeit weniger dazu benutzt unterwürfig zu erscheinen, sonder vielmehr um sich selbst über andere zu stellen. Männer tendieren eher dazu, die Möglichkeiten der Sprache zu nutzen um den eigenen Status zu verhandeln.


Es gibt eine große Vielfalt bei den religiösen Praktiken der Javaner. Fast alle Javaner sind Moslems, jedoch mit einer großen Spannweite im Glauben und der Ausübung, die auf komplexe Faktoren in der regionalen Historie und den sozialen Klassen zurückzuführen sind. In der Jawa Tengah Provinz, zum Beispiel, haben hochgebildete, aristokratische Javaner ein hohes Maß an Ästhetik und Mystik in ihrer Spiritualität. Zur Ausübung des Glaubens gehören hier auch Puppenspiele mit Wayang Kulit (flachen Puppen aus Leder) und dem traditionellen javanischen Gamelan Orchester, sowie Tänze und andere vornehme Traditionen.

Die Santri, von denen viele zu den Großbauern im Osten von Java gehören, sind mehr der Moral des Islams verpflichtet und spiegeln den fundamentalen und universalen Teil der Lehre wieder. Sie pilgern nach Mekka, unterrichten ihre Kinder im Koran und arbeiten für das Vorrücken des Islams im sozialen, spirituellen und politischen Bereich.

Die meisten javanischen Kleinbauern, vor allem in Zentraljava, lehnen einen universalen Islam und seine politische Bedeutung ab. Sie bevorzugen eine moderatere Richtung des Islams zusammen mit einem ursprünglichen Javanismus, der sich durch hüusliche Feste, Pilgerfahrten zu lokalen Tempeln und Schreinen und den Glauben an heimische Geister ausdrückt. Für die meisten der einfachen Leute gibt es in der spirituellen Welt eine Vielzahl von Gottheiten, welche in Leuten, in Gegenständen und Plätzen leben und jederzeit Unglück bringen können. Die Gläubigen versuchen sich gegen diese schüdlichen Geister zu schätzen, indem sie Opfer darbringen, einen Duduk (Heiler) beauftragen, oder durch einen spirituellen Akt von Selbstbeherrschung und guten Gedanken.



Written by The Library of Congress - Country Studies

Data as of November 1992

Übersetzt von Reinhard Kuchenbäcker

Bahasa Indonesia English Deutsch

Sprache